| Diary
January 23, 1904 |
Tagebuch
23. Jänner 1904 |
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Lippay
ushered me in, kissed Cardinal Merry del Val's hand, and introduced me.
Then he took leave, kissed the Cardinal's hand a second and a third time,
and left. |
Lippay
führte mich hinein, küsste dem Kardinal Merry del Val die Hand
und stellte mich vor. Dann empfahl er sich, küsste dem Kardinal noch
einmal und noch ein drittes Mal die Hand und ging ab. Mich hiess Merry del Val sitzen, und bald war das Gespräch, das ich französisch führte, im Fluss. Ich sah ihn mir dabei gut an. Merry del Val ist 38 Jahre alt, gross, schlank, aristokratisch. Schöne, grosse, braune, ernste, fragende, nicht unfromme Augen in einem noch jungen, schon ernsten Gesicht. Das Haar an den Schläfen schon mit erstem Grau durchsetzt. Ich sagte ihm, was ich wollte: das Wohlwollen des Heiligen Stuhles für unsere Sache. Er sagte: "Ich sehe nicht recht, wie wir da eine Initiative ergreifen sollen. Solange die Juden die Gottheit Christi leugnen, können wir uns doch nicht für sie erklären. Nicht also ob wir ihnen Übles wollten. Im Gegenteil, die Kirche hat sie immer in Schutz genommen. Für uns sind sie die notwendigen Zeugen des Vorganges, wie Gott auf der Erde war. Aber sie leugen Christi Gottestum. Wie sollen wir nun, ohne unsere eigenen höchsten Prinzipien preiszugeben, uns damit einverstanden erklären, dass sie wieder in den Besitz des Heiligen Landes gesetzt werden." "Wir verlangen nur die profane Erde; die heiligen Stätten sollen exterritorialisiert werden." ... Aber um uns für das jüdische Volk zu erklären, wie Sie es wünschen, müsste es sich bekehrt haben." ... "Denken Sie an den Wanderer und seinen Mantel, Eminenz. Der Wind konnte ihn ihm nicht rauben, die Sonne lächelte Ihn weg. Den Verfolgungen haben wir widerstanden, wir sind noch heute da." Gewiss, das ist ein Argument, das ins Gewicht fallen kann. Aber ich sehe doch keine Möglichkeit, eine Initiative zu ergreifen." "Sollen Sie gar nicht, Eminenz! Die Initiative wird von einer der Grossmächte ergriffen werden. Sie sollen nur konsentieren. Wenn es sich um das Materielle, Temporelle handelte - ich bin von Macht zu Macht gegangen und habe ihre Zustimmung erlangt. ... Aber ich will auch die spirituelle Gutheissung der römischen Kirche erlangen." |