Während
die Verbindung zwischen dem Aufblühen der neuen wiederbelebten
Sprache, dem Aufstieg des Zionismus und der jüdischen Gemeinde
in Eretz Israel zu bekannt ist, um sie hier zu wiederholen,
muss jede Übersicht über die zionistische und israelische
Kultur die zentrale Rolle des Hebräischen für die
Entwicklung einer neuen jüdischen Lebensart erwähnen.
Ihre Renaissaince kam aus zwei verschiedenen Richtungen. Der
Prozess begann mit den pedantischen ideologischen Überlegungen
einiger "Fanatiker" und wurde von Linguisten und Akademiker
weitergeführt. Aber die Sprache entwickelte sich schliesslich
über diese Beschränkungen hinaus und wurde tatsächlich
eine lebende Sprache, die vom Volk genährt wurde, die sie
im täglichen Leben sprach.
Es
ist ein Gemeinplatz, vom Hebräischen als tote Sprache zu
reden, die wiederbelebt werden musste. Es scheint, dass eine
wichtige Bedeutung dieser Metapher oft vergessen wird. Damit
die Sprache ein täglich benutztes Kommunikationsmittel
werden konnte, war eine konstante Entwicklung von Vokabular
und Sprachmuster notwendig. Die Sprache musste "alltäglicher"
werden - flexibler und natürlicher - und den Einfluss des
wirklichen Lebens zulassen. Es wäre einer Gesellschaft
unmöglich, sich zu entfalten, spräche sie nur mit
der Erhabenheit und Formalität grosser klassischer Texte,
wie reich sie auch sein mögen. In diesem Sinne musste die
"tote" Sprache wiederbelebt werden.
Es
sit faszinierend zu beobachten, wie sich dieser Prozess in der
Entwicklung der literarischen Texte der Moderne ausdrückt.
Dies ist am Beispiel der Poesie am besten verständlich.
Die grossen Dichter der Haskalah und des frühen Zionismus
brachten einige ausserordentliche Gedichte hervor. Bialik, Tchernikovsky
und Fichman zum Beispiel schufen kraftvolle und dramatische
Texte. Trotz ihrer Grösse als Texte klingen sie für
das moderne Ohr ziemlich steif und formal. Obwohl die ästhetische
Erfahrung stark sein kann, bedeutet das Lesen dieser Schriftsteller,
dass der moderne Israeli diesselbe Strecke zurücklegen
muss wie der moderne Engländer, der Shakespeare liest.
Auf den ersten Blick mag ein Vergleich zwischen der Sprache
Shakespeares und der Sprache Bialiks überraschend erscheinen:
Shakespeare lebte vor 500 Jahren, während Bialik erst 1934
starb. Der Vergleich ist dennoch zulässig, denn das Hebräische
hat seit Bialiks formenden Jahren als Dichter so revolutionäre
Veränderungen durchgemacht, die sie in eine wirlich lebende
Sprache verwandelten, ohne Steifheit und Formalitäten.
Die
zionistische und israelische Dichtkunst hat einige Generationen
hervorgebracht, und jede verwendete die Sprache auf verschiedene
Weise. Die Generation nach Bialik - Natan Alterman, Abraham
Shlonsky und Leah Goldberg - produzierte eine viel flexiblere
poetische Sprache, oft verspielt und humorvoll. Die dritte Generation
war jene von Amichai, Natan Zach und T. Carmi. Ihre Sprache
setzte den Naturalismustrend fort - ein weiter Weg von der Rhetorik
der "ersten Generation". Besonders Amichai verwendete
viele alltägliche Ausdrücke in seiner Dichtung und
schuf manchmal eine surrealistische Atmosphäre durch zeitgenössische
Sprachmuster und Bilder. Auch der Ton der Werke dieser Dichter
änderte sich, betonte eher das Individuelle und weniger
das Kollektiv und entfernte sich vom Thema der Nation. Auf diese
Tendenz werden wir später (Kapitel 13) zurückkommen.
Obwohl einige Vertreter dieser Generation immer noch schreiben,
sind in den letzten Jahrzehnten jüngere Dichter aufgetaucht,
die diese Tendenz fortsetzen. Das Hebräische der meisten
zeitgenössischen Dichtung unterscheidet sich zur Gänze
von der Sprache Bialiks und Tchernikovskys. Trotzdem ist es
die gleiche Sprache.
Dieselben
Tendenzen sind auch in der Prosa erkennbar. Es gibt heute einige
ausserordentliche Schriftsteller, die von der internationalen
literarischen Welt und dem allgemeinen Publikum angenommen werden.
Dazu gehören vor allem Amos Oz und A. B. Yehoshua, deren
Werk seit Jahrzehnten in vielen Sprachen erscheint. Ihr Stil
ist modern, ihre Sprache reich und anspielend. Im Gegensatz
dazu verwenden neue Schriftsteller wie Orly Castel Bloom und
Etgar Keret eine sehr unterschiedliche Prosa, deren alltäglicher
Charakter und offensichliche "Flachheit" des Tones
einen seltsam surrealistischen Effekt erzeugen, der im Konflikt
steht mit der reicheren, narrativen Prosa ihrer Vorgänger.
Zu einem hohen Grad kommen sie dem Schreiben in modernen Sprachmustern
nahe. Diese bedeutende Entwicklung ist im Ton sehr modern. Es
wird interessant sein zu beobachten, ob diese Art Literatur
der Zeit und dem schillernden Geschmack der modernen Leser standhält.
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