Jede
Studie der Einflüsse, die auf die bestimmte Lebensart,
die sich in Israel entwickelt hat, ausgeübt werden, muss
mit dem Zionismus beginnen. Woanders wruden Konzepte, die einer
Bevölkerung vorgestellt wurden, ein integraler Bestandteil
der Kultur jener Gesellschaft. Das moderne Israel jedoch entstand
aus einer Idee, ohne die es keine jüdische Gesellschaft
und keinen Staat gäbe. Eine Wiederholung der fundamentalen
Punkte ist wesentlich, um den Einfluss des Zionismus auf dieses
Land zu verstehen.
Eine
der wichtigsten Debatten innerhalb der zionistischen Bewegung
beschäftigte sich mit der Art von Kultur, die das "Altneuland"
hervorbringen sollte. Bereits in den frühen Tagen der Bewegung
gab es Fragen zur Beziehung zwischen Alt und Neu, West und Ost.
Beides wird in Theodor Herzls futuristischen Roman "Altneuland"
angesprochen. Die zionistische Organisation war die Arena, in
der die meisten Kulturduelle der jungen Bewegung ausgefochten
wurden. Der Fokus dieser Fragen bewegte sich im Laufe der Zeit
immer mehr auf das Land Israel selbst zu. Als sich die verschiedenen
Strömungen des Zionismus entwickelten, schuf jede ihr eigenes
Kulturkonzept, das in Zion blühen sollte.
Alle
diese Strömungen sprachen über etwas grundlegend Neues
in der jüdischen Welt. Unter Herzls Einfluss konzipierte
der politische Zionismus eine Lebensart für Eretz Israel,
die mit fortschrittlicher, westlicher Kultur durchzogen war.
Der religiöse Zionismus betonte die Notwendigkeit der Vermischung
von Torah weAwoda (Torahstudium und Arbeit) für eine neue
Kultur für das jüdische Volk. Der praktische Zionismus
glaubte, dass die Bearbeitung des Bodens - wenn sich Frauen
und Männer ein neues Leben schufen - in einer Kultur resultieren
würde, deren Basis die Beziehung zwischen dem Menschen
und dem Land sein werde. Es gab auch die Strömung des kulturellen
Zionismus, basierend auf den Ideen eines der grössten zionistischen
Denkers, Ahad Ha'am. Er sprach von der Notwendigkeit, das jüdische
Erbe zu sekularisieren und die besten jüdischen Werte aus
den Werken der Propheten als Grundlage der neuen Gesellschaft
zu benutzen. Die Spannung zwischen diesen verschiedenen Visionen
schuf die Fundamente der neuen Gesellschaft und ihrer Lebensart.
Ein
bemerkenswert kreativer Ausdruck des Zionismus war der bewusste
Versuch, eine Kunstform zu schaffen, die zum Land und seiner
nationalen Bewegung passte. Der bekannteste Name in diesem Zusammenhang
ist Professor Boris Schatz, der am Anfang des 20. Jahrhunderts
aus Bulgarien einwanderte. Er eröffnete die erste Kunstschule
in Palästina: Bezalel.
Schatz
versuchte, seine Studenten mit der Notwendigkeit einer Nationalkunst
zu inspirieren. Das Resultat war eine ziemlich romantisierte
Mischung orientalischer und biblischer Symbolik, die als "hebräischer
Orient" bekannt wurde. Tausende von Jahren war die jüdische
Phantasie voller Bilder des Landes. Schatz und seine Künstler
versuchten, damit eine neue Kombination von Bildern und Symbolden
zu schaffen. Sie zeichneten Bilder von antiken Hebräern,
die riesige Weinreben durch mythische Landschaften schleppten;
hebräische Frauen zogen Wasser aus antiken Brunnen und
prophetische Figuren wiesen den Weg über ferne Berge. Gleichzeitig
wurden alte Bilder eingefangen und neue geschaffen. Dies wurde
mit verschiedenen Kunstformen erreicht: z. B. war ihre Arbeit
von extremer Bedeutung als Basis für die propagandistischen
Poster, die der zionistischen Bewegung in den frühen Jahrzehnten
so gute Dienste leisteten. Die von ihnen entworfenen Wandfliesen
schmücken die Gebäude des frühen Tel Aviv.
Eine
weitere bedeutende Errungenschaft des frühen Zionismus
war die Schaffung einer Reihe von mythischen Helden, alte und
neue, aus deren rekonstruierten Geschichten das Modell des neuen
jüdischen Heroismus gebildet wurde. Führend unter
ihnen war das Trio der antiken Helden: Makkabäer, die Kämpfer
von Masada und Bar Kochba. Alle diese Figuren inspirierten zahllose
Gedichte, Geschichten, Theaterstücke und Bilder.
Der
Mythos von Masada errang breite Popularität, nachdem der
zionistische Dichter Jitzhak Lamdan sein Gedicht "Masada"
nach den fürchterlichen Pogromen in Osteuropa in den frühen
20er Jahren schrieb. Masada war ein fundamentales Thea in der
Kultur der frühen zionistischen Jugendbewegungen. Tausende
Jugendliche zogen unter rauhen Bedingungen nach Masada, um ihren
Wert als Angehörige der zionisten Gesellschaft des Jischuw
zu beweisen und ein interessantes Beispiel für den Einfluss
der Kunst auf das Leben zu geben. Unter den neueren legendären
Figuren gewährten Josef Trumpeldor, Hanna Szenes und die
Warschauer Ghettokämpfer endloses Material für dramatische
Sketche und Gedichte.
Der
Zionismus trug eine heroische Ebene zur Entwicklung des Selbstbildes
der neuen jüdischen Gesellschaft, die sich in Eretz Israel
aufbaute, bei. Diese heroische Gesichtspunkt würde in den
frühen Jahren der jungen Gesellschaft und des jungen Staates
alle Formen künstlerischen Ausdrucks beeinflussen. Die
Anfänge des israelischen Films werden oft "die heroischen
Jahre" genannt. Dieses Epithet meint nicht die Mühen,
denen die frühen Filmemacher ausgesetzt waren, sondern
die Art und Weise, wie ihre Filme versuchten, den zionistischen
Mythos zu festigen und das Selbstbild des Jischuw als Teilnehmer
in einem heroischen, historischen Drama zu stärken.
>Das
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