Kultur in Israel

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In diesem Überblick über israelische Kultur wird das Kapitel über die Religion nur kurz sein. Das mag überraschen, da doch der Einfluss der Religion auf den Staat in Israel erheblich ist. Nur wenige Themen sind in der Geschichte des Staates Israel und des Zionismus im allgmeinen problematischer als die Beziehung zwischen Religion und Staat. Wenn man die verschiedenen Gattungen der Hauptströmungen der israelischen Kultur betrachtet, dann ist es schwierig, einen bedeutenden Einfluss des Judentums festzustellen. Der Grund ist nicht eine innewohnende Feindseligkeit des Judentums gegenüber kulturellen Medien, sondern die konstante Verlegenheit zwischen Judentum und Durchschnittsisraeli.

Diese Verlegenheit bestand seit den Anfängen des Zionismus. Viele orthodoxe Juden hielten die Zionisten für Usurpatoren, die Gottes Platz beanspruchten, um das Schicksal des jüdischen Volkes zu entscheiden. Die Folge war ein tiefes Bemühen um eine Akzeptanz durch diesen Sektor der jüdischen Bevölkerung. Obwohl Rabbiner Kook und andere den Zionismus als Stadium im messianischen Prozess betrachteten und daher als wesentlichen Schritt in der jüdischen Geschichte, wurde diese theologische Position nicht von vielen geteilt. Jene orthodoxen Juden, die diese Einstellung annahmen und Zionisten wurden, hatten es immer schwer. Einerseits mussten sie ihre Position gegen die orthodoxe Mehrheit verteidigen, andererseits mussten sie sich gegen die vorherrschende nichtreligiöse Mehrheit der Zionisten behaupten, die dem Judentum gegebüber feindselig eingestellt waren, da es sich angeblich gegenüber der aktiven Gestaltung des jüdischen Schicksals passiv verhielt.

Der religiöse Zionismus war immer der schwächere Partner in der zionistischen Bewegung. Er hatte die Tendenz zur Selbstbeschränkung, um die religiösen Interessen der orthodoxen Juden zu gewährleisten und nicht, um den Versuch zu machen, die ganze zionistische Welt zu beeinflussen und an allen Aktivitäten teil zu haben. Diese Tendenz hielt sogar nach der Staatsgründung an. Bis 1967 waren Repräsentanten des religiösen Zionismus in allen Regierungen tätig, versuchten aber nur, sich um die Interessen des orthodoxen Sektors zu kümmern.

Der Krieg von 1967 änderte diese Situation mit der Besetzung von Judäa und Samaria, dem einstigen biblischen Kernland. Der latente religiöse Messianismus, der entfesselt wurde, nahm noch nie in der Geschichte des Zionismus dagewesene Formen an. Religiöse Zionisten wurden bestimmter und aktiver. Trotz mehr Offenheit, wurden Standpunkte vertreten, die nur von einer Minderheit nicht-orthodoxer Juden angenommen wurden. So verstärkte der religiöse Zionismus schliesslich seine Entfremdung von der nicht-orthodoxen israelischen Durchschnittsgesellschaft. Obwohl mehr religiöse Juden auf vielen Gebieten des israelischen Lebens (inklusive Armee, Universitäten und Handel) tätig sind, betrachten die meisten nicht-orthodoxen Juden in Israel die Orthodoxie nicht als Teil ihrer Welt.

Wegen der steigenden Macht, Sichtbarkeit und Bestimmtheit der Ultraorthodoxie in Israel, ist auch der Antagonismus gegenüber dem Judentum und seinen offiziellen Repräsentanten - und manchmal eine regelrechte Feindseligkeit gegenüber Religion im allgemeinen - angestiegen wie noch nie zuvor in der israelischen Öffentlichkeit.

Dies trug weitgehend zu der kleinen Rolle bei, die das Judentum in der kreativen israelischen Kultur spielt. Die Mehrheit der Kunst- und Kulturschaffenden betrachtet sich als nicht-orthodox oder nichtreligiös. Die weinigen, die sich mit jüdischen Themen beschäftigen, tun dies entweder folkloristisch, zynisch und verspottend oder auf ikonoklastische Weise.

Die Anzahl der orthodoxen Künstler ist relativ klein. Es ist aber interessant, dass die Zahl im Ansteigen begriffen ist, was bewirkt dass die israelische Öffentlichkeit mehr mit Judentum in der Kunst konfrontiert ist. Das ist zum Beispiel in der Literatur offensichtlich. Vor dreissig Jahren identifizierten sich nur wenige Schriftsteller als orthodox. Viele kamen aus religiösen Familien und waren mit dem Vokabular des Beit Midrasch vertraut. Oft fühlten sie eine starke Nostalgie für diese Welt. Bialik ist wahrscheinlich der berühmteste Fall. Mit seltenen Ausnahmen wie Shai Agnon und die Dichterin Zelda war die literarische Welt nicht religiös.

In den letzten Jahren jedoch trat eine Reihe von ernsthaften orthodoxen Schriftstellern auf, die interessante Werke schaffen, die Einsicht in verschiedene Aspekte ihrer Welt gewähren: Chaim Sabato, Yehudit Rotem, Yochi Brandes und Hanna Bat Shahar schreiben von innen über die Orthodoxow, währende andere das Milieu verliessen. Aber alle besitzen Kenntnisse über das orthodoxe Leben, die einen neuen und faszinierenden Trend in der israelischen Literatur entstehen liessen.

Auch verschiedene musikalische Trends sind bemerkenswert. Immer mehr ultraorthodoxe Musik wird duch moderne Popmusik beeinflusst. Das traditionelle Judentum war immer musikalisch, aber hier zeigt sich die Bereitschaft der Ultraorthodoxie, eine musikalische Sprache, die von aussen kommt, zu verwenden. Ultraorthodoxe Rockkonzerte scheinen unwahrscheinlich, werden aber immer beliebter. Sänger wie Mordchai Ben David und Aharon Fried ziehen zehntausende Konzertbesucher an. Diese Entwicklung kann hauptsächlich dem Einfluss der "neu religiösen Chosrim Betshuva" zugeschrieben werden, von denen viele vorher Popmusik hörten und sie nun in ihr neues Leben mitnehmen.

Eine verwandte, aber nicht unbedingt identische, Bewegung ist die immer grössere Beliebtheit der Klezmermusik in weiten Teilen der Allgemeinheit. Das jährliche Klezmerfestival in Safed zieht tausende an, viele von ihnen sind überhaupt nicht religiös. Ein besonders interessanter Apekt dieses Phänomens ist die Auswahl der neuen Einflüsse in der modernen israelischen Klezmermusik. Zusätzlich zu Jazz, der auch die amerikanische Klezmermusik beeinflusst, sind auch verschiedene ethnische musikalische Traditionen hörbar. An erster Stelle stehen Einflüsse der nordafrikanischen und nahöstlichen Musik, deren Aufnahme in die Klezmermusik innovative und faszinierende Ergebnisse bringt.

An anderer Trend stammt von einem unterschiedlichen Impuls: der neuen spirituellen Suche, die viele junge Israelis unternehmen. Das produziert eine kulturelle Anschauung, zu deren Bestandteilen auch das traditionelle Judentum gehört. In der Folge tauchten verschiedene "New Age" Gemeinden in Israel auf - einige von ihnen sind eine permanente Einrichtung geworden - und bereiteten verschiedene Rahmenprogramme für die kreative Gestaltung. Es ist noch nicht klar, ob diese Erscheinung als Bewegung bezeichnet werden kann. Eine Reihe von Festivals and Happenings finden jedes Jahr an verschiedenen Orten statt, wobei Musik vorherrscht. Einige Musikgruppen sind daraus entstanden, am bemerkenswertesten Gaya und Sheva. Auch in ihrer Musik ist der Einfluss des traditionellen Judentums unverkennbar.

Ein zusätzliches Phänomen ist die ansteigende Verbreitung von lokalen Rundfunksendern, von denen viele religiös und soagr ultraorthodox sind. Viele haben eine ansehnliches Hörerschaft und ihre gleich bleibende Mischung von Musik und religiöser Diskussion machen sie in gewissen Bevölkerungsschichten beliebt.

Diese verschiedenen Elemente ergeben ein ansteigendes Konfrontiertsein der israelischen Öffentlichkeit mit irgendeiner Art von religiöser Musik. Dazu gehören Teile der nichtreligiösen Bevölkerung, die vorher nur wenig oder gar keinen Kontakt damit hatten.

Andere Medien wie Theater oder Kino, die traditionellerweise von den Orthodoxen argwöhnisch betrachtet werden, beginnen sich langsam zu entwickeln. Bis vor kurzer Zeit behandelten nur wenige Theaterstücke oder Filme die orthodoxe Welt. Die meisten Filme, die in den letzten Jahren dazu entstanden, wurden von nichtreligiösen Filmemachern produziert, anscheinend um die Neugier der nichtorthodoxen Bevölkerung zu befriedigen. Die Situation mag sich ändern, da es jetzt Kino- und Theaterausbildungen exklusiv für Orthodoxe gibt. Die Resultate sind bis jetzt noch marginal, aber in einigen Jahren werden von diesen Kreisen sicherlich ernst zu nehmende Theaterstücke und Filme geschaffen werden.

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