Zionistische
Weltorganisation - Die
WZO wurde am ersten Zionistischen
Kongress auf Initiative Theodor
Herzls gegruendet, um die Ziele des Zionismus gemaess dem Basler Programm
zu verwirklichen.
Ein anfangs jaehrlich, dann alle zwei Jahre stattfindender Kongress sollte
das Hauptinstrument der Zionistischen Bewegung darstellen. In ihm sollten
die nationalen Foederationen und uebernationalen Vereinigungen und Parteien
vertreten sein. Die Anzahl der jeweiligen Delegierten wurde von der Anzahl
der gebuehrenzahlenden Mitglieder abhaengig gemacht. Die Hauptaufgabe des
Kongresses war, die wichtigen politischen Entschluesse bezueglich der diplomatischen
und praktischen Arbeit der Organisation zu fassen, das Budget zu verabschieden,
den Praesidenten und die Exekutive zu waehlen. Die Exekutive hatte die Aufgabe,
die Beschluesse auszufuehren und die Arbeit zwischen den Kongressen zu ueberwachen.
1907 wurde ein Palaestinabuero eroeffnet, um den Zionistische Organisation
in Palaestina zu repraesentieren. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Palaestinabuero
durch die Zionistische Organisation ersetzt, aus der 1921 die Zionistische
Exekutive fuer Palaestina wurde. Neben der Ausfuehrung der zionistischen
Taetigkeiten, agierte die Exekutive als die Jewish
Agency, die von der Mandatsregierung
ernannt wurde, um mit der Verwaltung in Palaestina in Angelegenheiten zu
kooperieren, die die Errichtung einer juedischen nationalen Heimstaette
oder die Interessen der juedischen Bevoelkerung Palaestinas betrafen. Ausserdem
sollte die Jewish Agency an der Entwicklung des Landes mitarbeiten. Die
Zionistische Exekutive war in Abteilungen eingeteilt: Politische Angelegenheiten,
Einwanderung und Arbeit, Kolonisierung (Besiedlung, Handel und Industrie),
Erziehung und Gesundheit. Die finanziellen Institutionen der WZO waren der
1907 gegruendete Keren Kajemeth (Landerwerb
und Aufforstung), die Palaestinensische Landentwicklungsgesellschaft (Landerwerb)
und der Keren Hajessod, dessen Aufgabe es war,
die finanziellen Mittel fuer Einwanderung, Besiedlung, Sozialfuersorge,
Volksgesundheit und Erziehung aufzubringen. 1929 wurde die Jewish Agency
etabliert, um die Aufgaben der WZO gegenueber der britischen Regierung,
der Verwaltung in Palaestina und dem Voelkerbund wahrzunehmen und mit Nichtzionisten
zusammenzuarbeiten, um die zionistische Sache zu foerdern und zu entwickeln.
Dieses System war einmalig in der Geschichte, es basierte auf Freiwilligkeit
und handelte fuer eine Nation ohne Staat, um die Angehoerigen dieses Volkes
von allen vier Ecken der Welt zurueck in das historische Heimatland zu bringen
und dort eine nationale Heimstaette zu begruenden. 1942 wurde als das offizielle
Ziel der WZO erklaert, ein "Juedisches Gemeinwesen" zu sein (siehe: Biltmore
Programm), obwohl es von den meisten Zionisten akzeptiert war, das Ziel
sei die Gruendung eines unabhaengigen juedischen Staates. Die Flagge
der WZO und ihre Hymne "HaTikwah" wurden 1948
vom Staat uebernommen.
Mit der Gruendung des Staates Israel war das Hauptziel der WZO erreicht
worden. Es erhob sich die Frage, ob die WZO auch weiterhin bestehen sollte.
Fuer eine Weile betrachtete Ministerpraesident David
Ben Gurion die WZO als das Geruest des neuen Staates, das seine Funktion
erfuellt hatte und abgebaut werden sollte. Diese Ansicht wurde von der Zionistischen
und israelischen Fuehrung nicht geteilt. Deshalb formulierte der 23. Zionistische
Kongress, der erste, der in Jerusalem nach der Staatsgruendung stattfand,
die neuen Aufgaben des Zionismus: "den Staat Israel zu staerken, die Zerstreuten
im Land Israel zu sammeln und die Einheit des juedischen Volkes zu gewaehrleisten."
Im folgenden Jahr garantierte die Knesset der
WZO durch ein Gesetz ihren speziellen Status und anerkannte die WZO und
die Jewish Agency als die "Institutionen, die autorisiert sind, im Staat
Israel weiterhin fuer die Entwicklung und Besiedlung des Landes, die Absorption
der Einwanderer und die Koordination der Aktiviteten juedischer Organisationen
auf diesem Gebiet in Israel taetig zu sein." Das Gesetz drueckte die Hoffnung
aus, alle Juden wuerden den Aufbau des Staates unterstuetzen und die WZO
koenne zu diesem Zweck an der Einigkeit des Weltjudentums arbeiten.
Diese Erwartungen wurden nicht erfuellt. Im folgenden Jahrzehnt verlor die
Zionistische Bewegung viel von ihrem Prestige und ihrem Einfluss. Sie erwies
sich als unfaehig, alle juedischen Gemeinden rund um Israel zu vereinen.
Die Enttaeuschung der israelischen Regierung mit der WZO, vor allem ueber
die finanziellen Beitraege und die Einwanderung von Juden aus westlichen
Laendern, fuehrte zu Bemuehungen, andere Verbindungen mit den Juden der
Welt zu finden, die jedoch scheiterten.
Die Reaktion des Weltjudentums auf den Sechs Tage Krieg rettete in gewisser
Hinsicht die WZO. Die Idee, die israelische Regierung solle an den Gemeinden
der Diaspora Anteil nehmen, erhielt einen neuen Auftrieb, und das Interesse
und auch der Stolz der Diaspora fuer Israel wurden erneuert. So wurden Bedingungen
fuer eine Wiederbelebung der WZO geschaffen. 1968 verabschiedete der 27.
Zionistische Kongress das Jerusalemer Programm, das die Ziele des Zionismus
folgendermassen neu definierte: "Die Einheit des juedischen Volkes und die
Zentralitaet Israels in seinem Leben; die Sammlung des juedischen Volkes
in seinem historischen Heimatland, Eretz Israel, durch Einwanderung aus
allen Laendern; die Staerkung des Staates Israel, der auf den prophetischen
Idealen von Gerechtigkeit und Frieden gruendet; die Bewahrung der Identitaet
des juedischen Volkes durch Foerderung der juedischen und hebraeischen Erziehung
und der juedischen geistigen und kulturellen Werte; den Schutz der juedischen
Rechte ueberall."
Der 27. Kongress entschied sich auch fuer die Oeffnung der Mitgliedschaft
in der WZO fuer nationale und internationale juedische Institutionen, die
bereit seien, das Jerusalemer Programm anzunehmen. Fuenf internationale
juedische Organisationen wurden Mitglied: die "World Federation of Sephardi
Communities, die "Maccabi World Union", die "World Union for Progressive
Judaism", der "World Council of Synagogues", WIZO, Bnei Brith, die Student
Delegation, die CIS Delegation, der Zionist Council in Israel und die "World
Conference of Synagogues and Kehilot". Schliesslich fasste man den Entschluss,
die Jewish Agency zu reorganisieren, um wichtige nichtzionistische Organisationen
in die Einwanderungs- und Siedlungsarbeit in Israel einzubinden.
1971 wurde die Jewish Agency als Partnerschaft zwischen der WZO (50 Prozent)
und den Fundraising Organisationen in den juedischen Gemeinden (30 Prozent
United Israel Appeal in den USA und 20 Prozent alle anderen Koerperschaften,
von denen die meisten mit dem Keren Hajessod in Verbindung stehen) neu konstituiert.
Grundsaetzlich war und ist die WZO eine demokratische Organisation. Ihre
Exekutive wird durch den Zionistischen Kongress gewaehlt, der alle vier
bis fuenf Jahre zusammentritt. Die Anzahl der Delegierten jeder israelischen
zionistischen Partei haengt von ihrer Staerke in der Knesset ab. Die meisten
Delegierten kommen aus Israel und den Vereinigten Staaten. Die Delegierten
werden in den Kongress gewaehlt. Die Veraenderungen des 27. Kongresses machen
es der Zionistischen Bewegung moeglich, ihren Status und ihre Autonomie
beizubehalten, waehrend wichtige auslaendische juedische Institutionen an
Israel-orientierten Aktivitaeten teilhaben. Seit die gesamte Jewish Agency
das Jerusalem Programm akzeptiert, ist es fast unmoeglich einen Unterschied
zwischen nichtisraelischen Zionisten und Nichtzionisten festzustellen.
Auch die WZO suchte einen Weg, ihre Einzigartigkeit zu erhalten. Der "Herzlija
Prozess", benannt nach der Stadt, wo er 1978 initiiert wurde, schlug zwei
Hauptveraenderungen vor: haeufige Israelbesuche von Mitgliedern der Zionistischen
Bewegung, um mehr Israel-Aktivitaeten in den juedischen Gemeinden zu erreichen;
Hebraeischunterricht und zionistische Erziehung fuer Kinder und Studienprogramm
in Israel fuer Jugendliche. 1986 wurde waehrend der Sitzung des Zionistischen
Generalrates diesbezueglich eine Resolution verabschiedet.
1987 entschied sich der 31. Zionistische Kongress, die Prioritaeten der
Zionistischen Bewegung zu aendern und eine weltweite Bewegung fuer " Hagschama"
- "Erfuellung" - ins Leben zu rufen.
Der Kongress von 1992 konzentrierte sich auf die Einwanderung und die Absorption
von Juden aus den Laendern der ehemaligen Sowjetunion und Aethiopien. Es
wurde auch beschlossen, die Zionistische Bewegung in das Leben der Diasporagemeinden
zu involvieren.
Praesidenten der Zionistischen Weltorganisation:
- 1897-1904
Theodor
Herzl
- 1905-1911
David
Wolfsohn
- 1911-1920
Otto Warburg
- 1921-1931
Chaim
Weizmann
- 1931-1935
Nachum
Sokolow
- 1935-1946
Chaim
Weizmann
- 1946-1956
kein Praesident
- 1956-1968
Nachum
Goldmann
Seither wurde
kein Praesident mehr gewaehlt.
Vorsitzende des Zionistischen Generalrates
- 1897-1904
Theodor
Herzl
- 1911-1920
Otto Warburg, dessen Stellvertreter von 1913-1918 Dr. Jechiel Chelnow
- 1921-1925
Rabbiner Dr. Zwi Peretz Hayot
- 1925-1933
Leo
Motzkin
- 1935-1941
Menachem
Ussishkin
- 1946-1949
Dr. Stephen Weiss
- 1951-1959
Josef
Sprinzak
- 1959-1961
Berl Locker
- 1961-1968
Jaacob Zur
- 1968-1971
Ehud Avriel
- 1972-1978
Jitzchak Navon
- 1978-1982
Jitzchak Peretz
- 07.12/1982
Mordechai Dajan
- 1982-1987
Ephraim Even
- 1987-1992
Rabbiner Ascher Hirsch
- 1992-
Jitzchak Peretz
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