Israel-Diaspora
Das Jahrhundert des Zionismus - praesentiert von: Pedagogic Center der Jewish Agency

Die Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora


Die Moderne

Die Anfaenge des Zionismus

Efraim Lilienblum: Poster fuer den Fuenften Zionistischen Kongress: Moegen unsere Augen Deine Rueckkehr nach Zion schauen.

Als im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts eine moderne Bewegung entstand, die sich fuer die Rueckkehr nach Eretz Israel einsetzte, aenderte sich fuer viele Juden abermals ihre Beziehung zum Land. Durch den Zionismus wurde Israel wieder eine praesente und konkrete Alternative fuer juedisches Leben, vor allem als in vielen Staaten der Antisemitismus zunahm.

In diesen letzten Jahren des 19. Jahrhunderts wanderten Juden nach Eretz Israel aus, um dort die Grundlage fuer eine moderne juedische Gesellschaft zu schaffen. Der Zionismus beanspruchte dieses an den Rand des Mystizismus gedraengte Eretz Israel nun als lebendiges, pulsierendes Land, in dem man leben und den Boden bewirtschaften konnte, wo man wieder die alte, teilweise fossil anmutende, hebraeische Sprache benuetzen wuerde, um ueber eine realistische juedische Zukunft zu sprechen und nicht nur ueber eine grossartige juedische Vergangenheit oder vage messianische Hoffnungen. Das Motto lautete: Aufbau des Lebens.

Ueberall auf der Welt wurde Geld gesammelt, um die Pioniere und ihre Siedlungen zu unterstuetzen, Grund und Boden zu kaufen, Baeume zu pflanzen. Die Tradition des Spendens, sei es in Form des halben Schekels fuer den Tempel oder in Gaben fuer die Talmudschulen in Eretz Israel gewesen, wurde nun vom Zionismus uebernommen. Organisationen wie der Keren Kayemeth LeIsrael (der Juedische Nationalfonds) avancierten zu immer wichtigeren Bestandteilen im Leben der Juden in aller Welt. Zionismus stand auf der Tagesordnung.

Die Gegner des Zionismus - Frontlinien

Nicht alle Juden waren ueber die neuen Entwicklungen erfreut. Traditionelle, orthodoxe Juden in Mittel- und Osteuropa hatten damit Probleme und versuchten, die alten messianischen Vorstellungen mit der politischen Idee des Zionismus zu verbinden. Einige schlossen sich der Zionistischen Bewegung an, um die Richtung des Zionismus zu beeinflussen. Dies sahen sie als einen Schritt auf dem Weg zur messianischen Erloesung. Andere blieben der Bewegung fern und kritisierten sie scharf wegen des „unverschaemten" Versuches, Gottes Plan fuer das Ende der Zeiten durch einen menschlichen zu ersetzen. Fuer sie unterwanderten die Zionisten Gott.

Die emanzipierten westeuropaeischen Juden bildeten eine weitere Opposition gegen die Positionen des Zionismus. Die letzten Generationen hatten sich viel Muehe gegeben, der Umwelt zu beweisen, dass sie ihr Schicksal mit dem der nichtjuedischen Bewohner im gemeinsamen Heimatland Deutschland, Frankreich oder die Vereinigten Staaten, verbanden. Fuer sie bedeutete der Zionismus eine Bedrohung, der ihre noch nicht abgesicherten Errungenschaften untergrub, indem er der Welt verkuendete, was sie fuer sich selbst ablehnten: Eretz Israel sei das Heimatland der Juden.

Andere westliche Juden betrachteten zwar den Zionismus als eine angemessene, ja wichtige Option - aber nicht fuer sie persoenlich. Zionismus war eine Bewegung fuer diejenigen, die eine Zufluchtsstaette vor Armut oder Verfolgung brauchten, und sie wuerden den Zionismus nach besten Kraeften im Interesse derer unterstuetzen, die sich nicht so gluecklich schaetzen konnten wie sie selbst.

Somit waren die Fronten bald abgesteckt. Durch seine Einstellung zum Land Israel hatte der Zionismus die Welt wachgeruettelt. Viele beguessten diese Einstellung enthusiastisch und sahen sich als Beteiligte an dem neuen nationalen Drama, sei es als Akteure oder als zahlendes Publikum, waehrend andere unentschlossen oder als Gegner vor der Tuere blieben.

Die Ablehnung des Galut in der Ideologie des Zionismus

Galut - Gemaelde von Samuel Hirszenberg

Der Zionismus analysierte die Welt im allgemeinen, und den juedischen Teil dieser Welt im besonderen, mit einer extremen ideologischen Terminologie. Er nahm hinsichtlich vieler Aspekte des juedischen Lebens, inklusive des Galut, eine ausgepragte „Schwarz - Weiss" - Haltung ein.

Der Zionismus sah sich selbst als erhaben ueber dem Galut und seinen Juden, die er in einem sehr unvorteilhaften Licht darstellte. Sie waren „schwach" und „kraftlos"; wie "Blutegel" und „Parasiten"; sie repraesentierten das "Alte" und lehnten das "Neue" ab; ihre Lebensweise war "unnatuerlich" und "abnormal". Sie werden auf aeusserst negative Weise geschildert, im Gegensatz zum neuen, tapferen und starken, zionistischen Juden, der - im eigenen Land lebend - die Zukunft verkoerpert. Und zwar die einzige Zukunft, die es fuer das juedische Volk geben konnte. Der Zionismus mass die Umwelt mit strikten ideologischen Begriffen, alles wurde analysiert und kategorisiert. Ausnahmen wurden nicht zugelassen: Zion war gut, Galut war schlecht.

Der Galut wurde schroff und engros abgelehnt, als etwas, das in den Augen der meisten zionistischen Denker nicht verdiente, weiterhin zu existieren. Jakob Klatzkin, einer der extremeren Vertreter des Zionismus, schrieb zum Beispiel:

"Vielleicht kann sich unser Volk im Exil selbst erhalten, aber es wird nicht in seinen wahren Dimensionen existieren - nicht in der Bluete seines Nationalcharakters. Das Exil kann nur die Schande unseres Volkes hervorbringen und die Existenz eines Volkes aufrecht erhalten, das an Koerper und Seele deformiert ist - mit einem Wort: Galut ist ein Greuel. Er kann uns hoechstens in einem Zustand nationaler Unreinheit halten und eine Art seltsame Kreatur ausbrueten - weder Jude noch Christ" - auf alle Faelle keinen wahren nationalen Typus."

Die Stereotype des "Galut" und des "Galutjuden", die von Klatzkin und anderen zionistischen Denkern entwickelt wurde, hatte ihre Grundlage im osteuropaeischen Milieu, das ihnen so vertraut war. Dass dieses Milieu seinem Verfall entgegenschritt, blieb ihnen verborgen. Die osteuropaeische Welt befand sich in vielerlei Hinsicht in einem Desintegrationsprozess: die grosse Mehrheit der Juden war verarmt, Gemeindestrukturen lagen im Chaos, Juden waren schrecklichen Grausamkeiten wehr- und reaktionslos ausgesetzt. Diese Denker brachten ihre eigenen Erfahrungen ein, die sie in Osteuropa gemacht hatten und stuelpten sie den Juden der ganzen Welt ueber. Sie konnten nicht anders, denn die Grundlage des Zionismus war die totale Analyse, eine "Schwarz - Weiss" - Theorie ohne Raum fuer "Wenn" und „Aber".

So schaffte es die zionistische Idee, die als Reaktion auf die juedische Welt Osteuropas entwickelt worden war, alle Juden, auch diejenigen Westeuropas miteinzubeziehen.

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Created: 16/11/00 Updated: 11/12/00

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