Israel-Diaspora
Die Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora
Schlussfolgerungen
Wir haben die juedische Gemeinde der GUS Staaten eher ins Detail gehend beschrieben, und jene Grossbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, des Jemen und Indiens in allgemeineren Begriffen. Aber in allen Beschreibungen haben wir uns mit den wichtigen Rollen, die der Staat Israel und der Zionismus fuer das jeweilige Land spielten, beschaeftigt.
Im Jemen, in Russland und in Indien haben wir gesehen, welche dominante Rolle Israel einnahm und wie dadurch die Richtung und das Aussehen der Gemeinde entscheidend beeinflusst wurden. Wir koennten dieser Liste andere Gemeinden hinzufuegen, die entweder ganz (Aethiopien) oder fast ganz (Aegypten, Algerien, Marokko) aufhoerten als Diasporagemeinden zu existieren. Die aethiopische Gemeinde besteht in Israel weiter, die nordafrikanischen Gemeinden auch in Frankreich.
Auch Frankreich selbst wurde durch den Zionismus veraendert - wenn auch auf eine andere Art. Der Zionismus war ein dominanter Faktor in der Entscheidung hunderttausender nordafrikanischer Juden, die arabischen Staaten, in denen nach der Unabhaengigkeit Israels das Leben fuer die Juden immer schwieriger wurde, zu verlassen und nach Frankreich auszuwandern.
Sogar die wohlhabenderen Gemeinden des Westens waren eine Quelle fuer Alijah. 70.000 Juden aus den USA, 30.000 aus Frankreich und 25.000 aus Grossbritannien sind seit 1948 in Israel eingewandert. Bis zu einem gewissen Grad aenderte sich in den letzten Jahren auch das Wesen der Einwanderung aus diesen Laendern. Im Fall Frankreichs haben wir beobachtet, dass viele der neuen Olim orthodoxe Juden sind. Dasselbe kann von Immigranten aus englischsprachigen Laendern gesagt werden.
Eine Gemeinde, wie jene Grossbritanniens, die sicherlich von der Gruendung des Staates Israel tief beruehrt war, hat dennoch unter ihren eigenen Bedingungen, mit ihren eigenen zentralen Institutionen, die nicht zionistisch sein muessen, ihr Leben fortgesetzt. Besonders in den letzten Jahren wurden der Zionismus und Israel als wichtige Stuetzen bei der Entwicklung einer lokalen juedischen Identitaet gesehen, erhielten aber bei der Ausformung dieser Identitaet keinen Vorrang. Dies scheint auch in allen grossen Diasporazentren des Westens der Fall zu sein, vor allem in den USA, in Suedafrika und Australien.
Deutschland nimmt unter den untersuchten Gemeinden als Opfer besonderer Umstaende eine Sonderstellung ein. Diese Umstaende wurden von Israel beeinflusst, aber von einem sich abseits haltenden Israel.
Ein relativ neuer Trend ist die Rueckwanderung von Israelis in andere Laender. Diese „Jordim" legen oft gegen die ansaessige juedische Gemeinde eine ambivalente Haltung an den Tag. Einige finden eine Aufgabe in der juedischen Erziehung (vor allem als Hebraeischlehrer). Andere, besonders Angehoerige der ersten Generation, entschliessen sich eher zu einer auf Israel basierenden Identitaet als zu einer Verbindung mit der lokalen Gemeinde, da sie sich selbst als Israelis sehen und nicht als Diasporajuden. Viele dieser „Jordim" leben in den USA, Grossbritannien, Frankreich und Deutschland. Es wird sich herausstellen, ob sich dieses Muster einer gewissen Zurueckhaltung der Ex-Israelis gegenueber den juedischen Gemeinden, durch die Notwendigkeit der Erziehung der zweiten und dritten Generation, aendern oder aufloesen wird.
Wir haben auch ein Dilemma in der israelisch-zionistischen Erziehung angeschnitten. Israel und der Zionismus sehen fuer sich die Verantwortung fuer die juedische Welt und ihr Ziel ist es deshalb, vor allem in den schwaecheren Gemeinden eine erzieherische und kulturelle Rolle zu uebernehmen. Der traditionelle Zionismus glaubt einerseits aus praktischen Gruenden, Diasporagemeinden koennen langfristig nicht ueberleben, und andererseits aus ideologischen Gruenden, Diasporagemeinden sollen ihre Existenz auch dann nicht weiterfuehren, wenn es ihnen moeglich ist. Es gibt daher eine Auseinandersetzung, ob es ratsam sei, in Gemeinden zu investieren, die zwar sicherlich die erzieherischen und kulturellen Ressourcen Israels nuetzen koennen, aber unter Umstaenden einen "zu starken" Willen entwickeln, unter ihren eigenen Bedingungen ihre Existenz fortzufuehren. Russland und Indien sind dafuer Beispiele.
In den letzten Jahren wurde dieser Frage besonderen Aufmerksamkeit gewidmet, um die traditionelle zionistische Ansicht ueber Israel und seine Aufgabe in der juedischen Welt neu zu formulieren.
Es ist klar ersichtlich, dass die Zionistische Bewegung und die Existenz des Staates Israel die Diasporagemeinden auf verschiedene Weise beeinflusst haben.
- Keine einzige juedische Gemeinde blieb von der Gruendung des Staates Israel unberuehrt.
- Die Modelle der Diaspora haben sich gewandelt. Ganze Gemeinden wurden in Israel integriert.
- Die Beziehungen zwischen den einzelnen Diasporagemeinden und Israel haben sich geaendert und entwickelt. Und sie werden es auch in Zukunft tun.
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Created: 16/11/00 Updated: 11/12/00