Israel-Diaspora
Die Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora
Deutschland
Ueberraschenderweise ist heute die juedische Gemeinde Deutschlands nach Frankreich und Grossbritannien die drittgroesste Europas und zaehlt 60.000 Mitglieder. Der Terminus „ueberraschenderweise" ist gerechtfertigt, denn juedische Organisationen - zionistische wie nichtzionistische - sahen nach der Schoa keine Existenzberechtigung fuer Juden in Deutschland.
Es bedarf keiner Diskussion, dass die Schoa den grossen Zusammenbruch fuer die juedische Gemeinde in Deutschland bedeutete. Eine 1200 Jahre alte Gemeinde wurde vernichtet und ihre 500.000 Mitglieder waren bis zu den Anfaengen des Nationalsozialismus als einflussreiche Patrioten gut in die deutsche Gesellschaft integriert. Aehnlich wie die britische Gemeinde (siehe oben) war die deutsche vor dem „Dritten Reich" nur maessig am Zionismus interessiert gewesen und hatte nicht ueber die Moeglichkeit einer Einwanderung in Eretz Israel nachgedacht. Das Interesse an Alijah entwickelte sich mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus. Die juedische Position unter dem nationalsozialistischen Regime wurde immer schwieriger, und so fanden sich mehr und mehr Zionismusanhaenger und Antragsteller fuer ein Visum nach Palaestina. Zehntausende verliessen Deutschland in den Vorkriegsjahren, und waeren die Einwanderungsquoten von der britischen Regierung nicht empfindlich limitiert worden, haette wahrscheinlich die Mehrheit der deutschen Juden Alijah als Moeglichkeit waehlen koennen.
Die winzige deutsche Nachkriegsgemeinde hatte nur mehr wenig mit der Vorkriegsgemeinde gemeinsam, die fast vollstaendig zerstoert oder verstreut war. Sie bestand aus den wenigen Juden, die aus ihren Verstecken auftauchten (viele hatte eine Eheschliessung mit einem nichtjuedischen Partner gerettet) und aus tausenden von Displaced Persons, die sich vorlaeufig in einem der DP Lager in Deutschland wiederfanden. Die meisten dieser DP-Gruppe verliessen Deutschland in den Nachkriegsjahren, aber einige tausend blieben und bildeten einen relativ wichtigen Bestandteil fuer die schwache juedische Gemeinde.
Die Zionisten waren ueber die Anwesenheit von Juden im Nachkriegsdeutschland entsetzt: fuer sie war es unvorstellbar, dass Juden inmitten einer Gesellschaft lebten, die versucht hatte, sie zu zerstoeren. Diese Tatsache wurde ganz allgemein von den Juden stirnrunzelnd betrachtet, die Zionisten jedoch, deren negative Meinung ueber das Leben in der Diaspora durch die Ereignisse der Schoa nur bestaerkt worden war, wollten eine solche Moeglichkeit nicht einmal ins Auge fassen. Internationale juedische Wohlfahrtsorganisationen arbeiteten inmitten der deutschen Juden, die Zionistische Bewegung aber weigerte sich, in Deutschland praesent zu sein. Nach dem Abkommen ueber die Reparationszahlungen von 1952 zwischen Israel und Westdeutschland, war es fuer die Zionistische Bewegung schwierig, diese Position beizubehalten und keine Kontakte mit Juden aufzunehmen, die sich selbst als Teil des "neuen" Deutschland sahen. 1954 anerkannte die Zionistische Exekutive die Gruendung einer Zionistischen Organisation in Deutschland.
Einige Juden wanderten nach Israel aus, aber im Lauf der Jahre konnte ein neues Phaenomen beobachtet werden: tausende Jordim, Auswanderer aus Israel, wurden von Deutschland, seinen wirtschaftlichen Aussichten und der Entwicklung einer wohlhabenden Gesellschaft angezogen.
In den neunziger Jahren stand fuer 30.000 Juden aus den Laendern der ehemaligen Sowjetunion, Deutschland als Einwanderungsland vor Israel. Einige hatten versucht, in Israel Fuss zu fassen, waren jedoch gescheitert und uebersiedelten nach Deutschland. Einige kamen vor der Wiedervereinigung ueber Westberlin, andere danach direkt. Obwohl diese Juden keine starke juedische Identitaet besitzen, haben sie doch diese kleine und absteigende Gemeinde verjuengt, und sie in die am schnellsten wachsende Diasporagemeinde der Welt verwandelt.
Vom zionistischen Standpunkt aus betrachtet, ist es nun doppelt problematisch, die Existenz einer Gemeinde zu akzeptieren, deren so breite Basis von jenen gebildet wird, die auf die eine oder andere Weise Zion den Ruecken gekehrt haben.
[weiter]
[Konzepte] [Das Jahrhundert des Zionismus] [Homepage]
The
Pedagogic Center
Direktor: Dr. Motti Friedman
Web Site Manager:
Esther Carciente, esthers@jajz-ed.org.il
Bearbeitung: Dr. Chani Hinker
Created: 16/11/00 Updated: 11/12/00