Israel-Diaspora
Das Jahrhundert des Zionismus - praesentiert von: Pedagogic Center der Jewish Agency

Die Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora


Einfuehrung

Klaerung der Begriffe

Vor jeder Diskussion ueber die Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora ist es notwendig, die Begriffe, mit denen diese Diskussion gefuehrt wird, zu klaeren.

Zwei Termini werden verwendet, um die juedische Welt ausserhalb Israels zu benennen. Obwohl sich beide Begriffe auf diesselbe physische Realitaet beziehen, so unterscheiden sich ihre Bedeutungen erheblich.

„DIASPORA",aus dem Griechischen stammend und mit „verstreut" oder „versprengt" zu uebersetzen, ist ein wertfreier Begriff, der die juedische Welt objektiv als eine Welt beschreibt, in der Juden in vielen verschiedenen Laendern leben. Das Wort hebraeische „GALUT" bezieht sich auf denselben physischen Zustand, ist aber ein wertender Begriff und meint das „Exil". Die Verwendung dieses Terminus´ fuer die juedischen Gemeinden weltweit, beinhaltet, dass diese Gemeinden eine unnatuerliche und nicht anzustrebende Existenz fuehren. Wenn Menschen im Exil leben, befinden sich sich aus irgendeinem Grund am falschen Ort. Es waere also wesentlich „natuerlicher", lebten sie in ihrem Heimatland. „Galut" drueckt zwar einerseits eine missbilligende Haltung gegenueber den verstreuten juedischen Gemeinden aus, beruht aber andererseits auf der Hoffnung, dass es moeglich sein wird, diesen Zustand zu beenden und aus dem Exil in das Heimatland zurueckzukehren.

Differenzierung

Der herkoemmliche Unterschied zwischen diesen beiden Termini beruht auf ihrer Anwendung auf zwei verschiedene Situationen der juedischen Geschichte.

In Epochen juedischer Souveraenitaet ueber Eretz Israel (Zeit des Ersten Tempels, Zeit des Zweiten Tempels, der moderne Staat Israel) war bzw. ist es ueblich, die Gemeinden, die sich ausserhalb des Souveraenitaetsgebietes befinden, mit „Diaspora" zu umschreiben. Bestand keine juedische Souveraenitaet in Israel, wurden die Gemeinden als im „Galut", im „Exil" bezeichnet. Dies impliziert, dass im Zusammenhang mit dem Begriff Diaspora, die Zerstreuung freiwillig ist, da die Option besteht, in Israel zu leben, waehrend Galut Unfreiwilligkeit ausdrueckt und keine Entscheidung offen laesst.

In der traditionellen juedisch - philosophischen Terminologie wurde Galut als Ergebnis goetlicher Strafe verstanden. Gott bestrafte die Juden fuer ihre Suenden, wie es in der Tora vorhergesagt worden war, indem Er sie unter die Voelker der Welt zerstreute. Die Juden mussten eine Umkehrung des goettlichen Urteils erwirken, um eine Aufhebung des Prozesses der Galut und eine Rueckkehr in ihr eigenes Land zu ermoeglichen.

Der Bedeutungsunterschied zwischen Diaspora und Galut wird in der weiteren Abhandlung verwendet, um zur Klarheit des Textes beizutragen. Dennoch muss erwaehnt werden, dass die Verwendung dieses Unterschiedes weder streng gehandhabt wird noch allgemein akzeptiert ist.

Die gegenwaertige Relevanz der Terminologie

In jeder Diskussion ueber die Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora ist es wichtig klarzustellen, dass es fuer weltweit lebende Juden unmoeglich ist, sich selbst als in der Diaspora zu verstehen (d. h. in einem freiwillig gewaehlten Zustand), waehrend sich andere Juden im unerwuenschten Zustand der Galut auffassen. Diese Situation, die bestimmte juedische Gemeinschaften charakterisiert, fuehrte zu betraechtlicher Verwirrung, Resentiments und Spannungen zwischen den unterschiedlichen juedischen Gruppen.

Diese Spannungen scheinen jedoch ein modernes Phaenomen zu sein. Bis zur Emanzipation in Westeuropa des spaeten 18. Jahrhunderts akzeptierten die meisten Juden, wenigstens nach aussen hin, dass sie in einer Zeit ohne juedische Souveraenitaet in Eretz Israel im Galut leben muessen. Diese Akzeptanz war zweitausend Jahre lang die Basis fuer die Beziehungen zwischen den Diasporagemeinden und dem Land Israel.

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Created: 16/11/00 Updated: 11/12/00

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