Konzepte - Zionistische Kongresse
Das Jahrhundert des Zionismus - praesentiert von: Pedagogic Center der Jewish Agency



Die Zionistischen Kongresse

Die Zionistischen Kongresse nach dem Zweiten Weltkrieg

Der 23. Zionistische Kongress, Jerusalem 1953

Eroeffnungssitzung des 23. Kongresses, dem ersten in Jerusalem

Dies war der erste Kongress, der im Staat Israel stattfand. Er wurde symbolisch mit einer Zusammenkunft an Theodor Herzls Grabstaette am Herzlberg eroeffnet. In seinem Testament hatte Herzl verfuegt, falls ein Juedischer Staat gegruendet werden sollte, moegen seine sterblichen Ueberreste aus Wien dorthin ueberfuehrt werden.

Das Hauptthema des Kongresses war die Definition der zukuenftigen zionistischen Ziele, nachdem das Basler Programm nunmehr verwirklicht worden war. Der Kongress nahm das Jerusalemer Programm an, das die zukuenftigen Aufgaben des Zionismus folgendermassen definierte:

"Die Konsolidierung des Staates Israel, die Sammlung der Zerstreuten in Eretz Israel und die Festigung der Einheit des juedischen Volkes."

Fragen betrafen auch die Beziehungen des neuen Staates zur Zionistischen Weltorganisation. Der Kongress verabschiedete eine Resolution, in der der Staat Israel aufgerufen wurde, die WZO als die repraesentative Koerperschaft des juedischen Volkes in allen Angelegenheiten, die die organisierte Teilnahme des Diasporajudentums am Aufbau des Staates erforderte, anzuerkennen.

1952 folgte die Knesset dieser Resolution als sie das Gesetz annahm, das der WZO und der Jewish Agency einen offiziellen Status verlieh.

Der 24. Zionistische Kongress, Jerusalem 1956

Nachum Goldmann

Dieser Kongress traf sich in einer Atmosphaere zunehmender Besorgnis ueber die politische und sicherheitspolitische Situation an Israels Suedgrenze.

Der Kongress debattierte auch ueber eine Reihe von weiteren Themen wie Alijah, Siedlungswesen, Finanzierung und Organisation. Den Delegierten wurde der Vorschlag unterbreitet, die einzelnen Fraktionen innerhalb der Zionistischen Bewegung aufzuloesen und durch gemeinsame Delegationen aus jeder Diasporagemeinde zu ersetzten. Dies wurde abgelehnt.

Nachum Goldmann wurde zum neuen Praesidenten der WZO und Vorsitzenden der Jewish Agency gewaehlt.

Der 25. Zionistische Kongress, Jerusalem 1960/61

Ben Gurion machte die Beziehungen der israelischen Regierung zur WZO zum Hauptthema dieses Kongresses. Er uebte ernste Kritik an der Zionistischen Bewegung.

Ausserdem wurden die Einwanderung aus westlichen Laendern und die Erziehung in der Diaspora diskutiert.

Nachum Goldmann wurde als Praesident der WZO bestaetigt.

Der 26. Zionistische Kongress, Jerusalem 1964/65

Nachum Goldmann waehrend der Eroeffnung des 26. Kongresses

In seiner Eroeffnungsrede rief Praesident Goldmann die Zionistische Bewegung auf, mehr Verantwortung fuer die Diasporagemeinden zu uebernehmen und sie in ihrem Kampf gegen den Verlust der Spiritualitaet und gegen die Assimilation zu unterstuetzen.

Verschiedene politische Resolutionen wurden verabschiedet, darunter ein Aufruf an die Regierungen der Welt, die Waffenlieferungen in die Nahostlaender einzustellen. An die Sowjetunion erging die Forderung, die Lage ihrer juedischen Gemeinden zu erleichtern.

Nachum Goldmann wurde als Praesident wiedergewaehlt.

Der 27. Zionistische Kongress, Jerusalem 1968

Dieser Kongress fand ein Jahre nach dem Sechs Tage Krieg in einem wiedervereinten Jerusalem statt. Zum ersten Mal nahmen auch Jugenddelegationen teil, darunter Studentengruppen und die Alijahbewegung. Damit kam eine Entwicklung in der juedischen Welt zum Ausdruck und praesentierte vor allem die vielen Freiwilligen, die unmittelbar vor und nach dem Sechs Tage Krieg nach Israel gekommen waren. Ein neues Phaenomen war zu beobachten: der Krieg hatte die Einwanderung aus westlichen Laendern verstaerkt.

Im Rahmen der Alijahdiskussion wurde die Entscheidung der israelischen Regierung, ein Ministerium fuer Integration der Einwanderer zu gruenden, angnommen. Der Kongress ergaenzte auch das Jerusalemer Programm von 1951, das die neuen Zielsetzungen des Zionismus festgelegt hatte.

Arie Louis Pincus

Der neue Text lautete:

„Die Ziele des Zionismus sind:
Die Einheit des juedischen Volkes und Israel als sein Lebensmittelpunkt;
Die Sammlung des juedischen Volkes in seinem historischen Heimatland, in Eretz Israel, durch die Einwanderung aus allen Laendern;
Die Staerkung des Staates Israel, der auf die prophetischen Ideale von Gerechtigkeit und Frieden aufgebaut ist;
Die Bewahrung der Identitaet des juedischen Volkes durch die Foerderung der juedischen und hebraeischen Erziehung und der juedischen spirituellen und kulturellen Werte;
Der Schutz der juedischen Rechte ueberall."

Die Wahl eines neuen Praesidenten der WZO wurde nach dem Ruecktritt Nachum Goldmanns dem Allgemeinen Zionistischen Komitee uebergeben, das Ehud Avriel zum Praesidenten und Arieh (Louis) Pincus zum Vorsitzenden der Exekutive waehlte.

Der 28. Zionistische Kongress, Jerusalem 1972

Der Schekel, die zionistische Mitgliedskarte. Hier eine fuer den zweiten Kongress.

Waehrend dieses Kongresses wurden zahlreiche Neuerungen eingefuehrt:

Ausserdem wurden folgende Themen behandelt: Die Einwanderung aus den westlichen Laendern, der Beginn der Alijah aus der Sowjetunion und die juedische Erziehung in der Diaspora.

Der Versuch, die Inhaber zionistischer Funktionen nach zwei Amtsperioden zur Alijah zu verpflichten, erhielt nicht die notwendige Zustimmung der Delegierten, brachte jedoch die Frage der "Hagschama", der zionistischen Erfuellung auf die Tagesordnung. Louis Pincus wurde als Praesident bestaetigt.

Der 29. Zionistische Kongress, Jerusalem 1978

Seit dem letzten Kongress waren sechs Jahre vergangen, in denen sich innerhalb der juedischen Welt bedeutende Entwicklungen ergaben:

Diese Ereignisse beeinflussten zwar die Atmosphaere des Kongresses, hatten aber keinen wesentlichen Anteil an seinem Ablauf. Stattdessen konzentrierte man sich auf das Thema des religioesen Pluralismus innerhalb der Zionistischen Bewegung. Nach hitzigen Diskussionen nahm der Kongress das Prinzip der Gleichheit aller religioesen Stroemungen, die sich der WZO angeschlossen hatten, an. Dies bedeutete, dass auch den erst kuerzlich angegliederten Bewegungen des Reformjudentums und der Konservativen dieser Status garantiert wurde.
Arie Dulzin wurde zum Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive gewaehlt.

Der 30. Zionistische Kongress, Jerusalem 1982

Arie Dulzin

Der Kongress war vor allem mit der Zionistischen Organisation, seiner Struktur und seiner Ideologie beschaeftigt. Im besonderen wurde die Frage der Beziehungen zwischen der WZO und der Jewish Agency behandelt.

Die "Nichtzionisten" (Fundraiser), die die Haelfte der Jewish Agency ausmachten, hatten nach dem "Caesarea - Prozess" mit der Unterzeichnung der Jerusalemer Programmes die Annahme der zionistischen Grundsaetze erklaert. Dies bedeutete in der Praxis, dass die Jewish Agency mehr und mehr auf Gebieten aktiv wurde, die die Domaene der WZO gewesen waren: Einwanderung und juedische Erziehung in der Diaspora. Dieser Trend sollte sich nach dem "Herzeliah - Prozess" noch verstaerken, der nach dem Kongress begann und bedeutende Aenderungen in der Organisation, Demokratisierung und ideologischen Orientierung der WZO und der Jewish Agency empfahl.

Etliche Sitzungen des Kongresses verliefen stuermisch, darunter vor allem die Diskussion um die Errichtung juedischer Siedlungen in der Westbank und im Gazastreifen. Die WZO Siedlungsabteilung war mit einigen dieser Siedlungen in Verbindung gebracht worden, und viele Delegierte wuenschten ein Ende dieser Aktivitaeten. Schliesslich wurde eine Resolution verabschiedet, in der sich der Kongress darueber einig war, dass es in dieser Frage verschiedene Meinungen gab. Es wurde jedoch auch beschlossen, dass ein gemeinsames Komitee der Regierung und der WZO die Standorte neuer Ansiedlungen diskutieren sollte.
Arie Dulzin wurde als Vorsitzender der Exekutive wiedergewaehlt.

Der 31. Zionistische Kongress, Jerusalem 1987

Dieser Kongress diskutierte nochmals die Beziehungen zwischen Israel, den juedischen Gemeinden und der WZO. Man hatte gehofft, dieses Treffen wuerde den "Herzliah - Prozess" abschliessen, der den zunehmenden Einfluss der "Nichtzionisten" (Fundraiser) der Jewish Agency auf die Neustrukturierung, Demokratisierung und ideologische Orientierung verdeutlicht hatte. Es konnten jedoch keine grundsaetzlichen Entscheidungen auf diesem Gebiet gefaellt werden.

Vorschlaege fuer die Wahl des Praesidenten der WZO wurden unterbreitet. Diese Position war seit dem Ruecktritt Nachum Goldmanns im Jahr 1968 unbesetzt geblieben. Der Versuch der "Magischim" (derjenigen, die versprachen, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes in Israel einzuwandern), einen Sonderstatus innerhalb der Zionistischen Bewegung verliehen zu bekommen, scheiterte. Dies wurde als Zurueckweisung des Prinzips der persoenlichen Verpflichtung zur Alijah aufgefasst.

Simcha Dinitz, der ehemalige israelische Botschafter in den USA und Knessetabgeordneter, wurde zum Vorsitzenden der Exekutive gewaehlt.

Der 32. Zionistische Kongress, Jerusalem 1992

Der Kongress trat nach grundlegenden Aenderungen in den Abteilungen der WZO, die vor allem die Einfuehrung neuer Strukturen wegen der Masseneinwanderungen aus der UDSSR und Aethiopien betrafen, zusammen.

Wegen der wirtschaftlichen Rezession in den Vereinigten Staaten und den westlichen Laendern verringerten sich auch die Beitraege des Keren Hajessod und des United Jewish Appeal. Beide Einwanderungswellen forderten ein hohes Mass an Ressourcen und Einrichtungen und machten eine Aenderung der Budgetplaene der Jewish Agency notwendig. Der Kongress verbrachte einen grossen Teil seiner Zeit mit der Besichtigung verschiedener Projekte. Die ideologische Debatte wurde angesichts der Bestaetigung neuer Prioritaeten auf den zweiten Platz verwiesen.
Simcha Dinitz wurde als Vorsitzender der Exekutive bestaetigt.

Das "Interregnum"

Abraham Burg beim zionistischen Weltjugendtreffen 1998

Ein Verfahren gegen Simcha Dinitz zwang die Jewish Agency, das Inkrafttreten der Demokratisierung und der strukturellen Aenderungen, hintanzustellen.

Interime Wahlen wurden abgehalten, bei denen der Knessetabgeordnete Abraham Burg zum neuen Vorsitzenden gewaehlt wurde. Burg war mit der Neudefinition der Rolle der Jewish Agency und einem zu geringen Budget konfrontiert. Er fuehrte innerhalb der Jewish Agency und der WZO einen radikalen Rationalisierungsplan ein.

Mit dem Beginn des Osloer Prozesses wurde auch die Hoffnung geboren, die Jewish Agency werde in der Lage sein, zu vielen ihrer sozialen und erzieherischen Projekte zurueckzukehren, da das Budget des Staates Israel weniger von den Verteidigungsausgaben belastet sein wuerde.

Wenn man eine zeitgemaesse Definition des Zionismus in dieser zynischen "Post-ism" Aera des "globalen Dorfes" aufstellen moechte, so steht die wohl Ueberbrueckung der Kluft zwischen Israel und den Juden der Diaspora , vor allem unter der jungen Generation, im Vordergrund.

Ausblick auf 1997 und den 33. Zionistischen Kongress

Trotz aller Erwartungen ist der Weg zum Hundertjahrjubilaeum des Ersten Zionistischen Kongresses und zum 50. Geburtstag des Staates Israel durch eine Eskalation der Ungleichheit und der Konflikte in der israelischen Gesellschaft gekennzeichnet. Die Ermordung Jitzchak Rabins - das unannehmbare gewalttaetige Gesicht dieser Entwicklung - schafft politische Unsicherheit; die regierende Arbeiterpartei verliert die Wahlen an den Likud; der Osloer Prozess wird immer instabiler.

Zionistische Organisationen der Diaspora machen sowohl in der Jewish Agency als auch in der WZO fuenfzig Prozent der Stimmen aus. Israel steht auf den Tagesordnungen der Diaspora nicht mehr im Mittelpunkt. Die Zionistische Fuehrung und Intellektuelle jenseits der verschiedenen Stroemungen versuchen, die Rolle des Zionismus angesichts des bevorstehenden Milleniums zu analysieren und zu definieren.

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Created: 16/11/00 Updated: 11/12/00

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